Als PDF herunterladen Meine Damen und Herren,

schlechte Pfarrer predigen zornig auf Gottesdienstbesucher ein. Es würden weniger kommen. Es ginge den Bach runter und die Welt sei schlecht. – Die letzten Braven lassen dann auch die Köpfe hängen. Der Teufelskreis dreht sich eine Runde weiter. Im Ruhrgebiet machen wir das anders. „Wem das Wasser am Halse steht, der soll nicht auch noch den Kopf hängen lassen.“

So schlecht geht es uns nicht. Hier ist eine Menge los. Wer etwas bewirken will, hat gute Möglichkeiten. Er kann ein sinnvolles Leben führen. Was wird in 50 Jahren sein? Zukunft ist immer Bewegung. Jede neue Idee oder Erfindung korrigiert die Prognosen.

Erich Kästner gab den Rat: „Bessert euch drauflos!“ Das soll mein Motto sein für ein paar Beobachtungen und Thesen:

Wann ist der Strukturwandel abgeschlossen? Ich hoffe nie. Dann wäre er misslun-gen. Wandel ist keine Durststrecke, die man möglichst schnell hinter sich bringt.

Nur wer sich ändert, bleibt sich gleich. Lessing schrieb seinen gräkomanen Zeitgenossen ins Stammbuch: „Wenn ihr die Alten Griechen unbedingt nachahmen wollt, dann doch bitte in dem, was sie so besonders machte: ihr Erfindungsgeist.“

Das Ruhrgebiet war 150 Jahre lang Strukturwandel in Permanenz. Wir sind geübte Strukturwandler. Alles geschah „Hals über Kopf“: Idyllisches Agrarland kollidierte mit wuchernden Städten. Kornfelder stießen an Zechen, Hochöfen und Walzwerke. Das Tageslicht wechselte in Minutenschnelle gegen Grubenlampen. Fremdarbeiter ström-ten von allen Seiten herein. Eine kleinteilige Gemeindestruktur kontrastierte mit dem Fernweh großer Kapitalgesellschaften.

Es war ein Sturz in die Zukunft. Er weckte und trainierte enorme Kräfte. Er hinterließ Narben. Heute präsentiert die Vergangenheit ungedeckte Wechsel. Das Revier stünde unter Wasser, wenn man es nicht ständig abpumpen würde. Wir sagen „Ewigkeitskosten“. Das Wort trifft den Kern. Mühsam lernt alle Welt das Wort „Nachhaltigkeit“.

Wir wissen, was es bedeutet. Wir waren die „künftige Generation“ unserer Vorfahren.  Wir wissen, dass man den Wandel schaffen kann. Uns wundert das Jammern und Zetern der Banken. Die haben ihre Strukturkrise selbst verschuldet. Wir haben die Phase des Selbstmitleids hinter uns.

Wo also liegen die Chancen des Ruhrgebiets?

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