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Haus der Technik, Essen
28. Februar 2013

Meine Damen und Herren,

ich gehöre zur Generation „Chemie-Baukasten“. Die Jahresbände von „Das neue Uni-versum“ habe ich verschlungen.

Vince Ebert hat mich soeben erinnert, was mir daran so wichtig war: Es waren

• die Fröhlichkeit der Wissenschaft,
• das Abenteuer des Experiments,
• die Heiterkeit gelungener Ergebnisse.

Kristalle züchten oder im Heuaufguss Pantoffel- und Geißeltierchen entdecken. Das hatte Zauber und Witz. Es war Spiel.

Damals hätte ich es nicht formulieren können. Heute weiß ich: Durch die Intelligenz des Menschen betrachtet der Kosmos sich selbst. Er lässt uns Zeit. Wer im Restaurant sitzt und eine halbe Stunde Zeit hat, bestellt ein Fertiggericht. Wir dürfen in der Speisekarte stöbern und uns auf frische Kreationen der Küche freuen.

Zur Sache: Ich bin Stammgast hier. Es gibt wenige Veranstaltungen, die so gute Grün-de haben, wie diese. Sie ist libidinös besetzt, denn ihr innerer Motor ist ein menschli-ches Laster: Die „Neugier“.

So sind wir eben: Einsame Tüftler und begeisterte Teams, Wissenschaftler, Techniker und Bildungsstrategen wollen „es“ genauer wissen. Sie wollen Vorhandenes verbes-sern, Gewohntes neu denken und besser machen. Eine hemmende Gewissheit hinterfragen. Vielleicht gelingt ihnen der Schritt ins Neuland.

„Gier nach dem Neuen“ ist Eigenschaft des Homo sapiens. Sie ist Anlass für seine Irrtümer, aber auch Voraussetzung des Fortschritts. Darüber den Schirm zu halten, ist ehrenvolle Aufgabe.

Heute geht es nicht nur um Wissenschaft und Forschung. Sie vergeben den Deutschen Weiterbildungspreis 2012. Da kommen noch ein paar Koordinaten hinzu. Weiterbildung setzt nicht unmittelbar auf neue Produkte.

Ziel ist Entwicklung und Entfaltung von Menschen. Sie will starke Persönlichkeiten, die sich ihrer Kräfte bewusst sind. Dazu braucht es Fähigkeiten und Fertigkeiten und die Bereitschaft, sie sinnvoll einzusetzen.

Bildung ist mehr als Information und Wissen. Sie hat ein ganzheitliches Konzept. Nichts gegen Spezialisten – die brauchen wir, aber sie sollen eine Ahnung haben, wozu „das Ganze“ überhaupt stattfindet. Was nützen uns Könner, die ihren verlorenen Haustürschlüssel immer unter derselben Straßenlaterne suchen, weil es dort hell ist, und nicht, weil sie ihn dort verloren haben.

Natürlich gibt es pragmatische Gründe für dieses Ereignis. Deutschland braucht Fach-kräfte. Im globalen Wettbewerb der Kontinente, in der globalen Suche nach menschenwürdigem Lebensstandard braucht es kreative Phantasie, pragmatisches Know-How, langen Atem. Hilfreich sind gute Netzwerke. Wir brauchen Teams, deren Mitglieder Kräfte und Begabungen zusammenlegen.

Wünschbar sind starke Partner, die eine gute Idee fördern und Behörden, die sie nicht ausbremsen.

Das Zauberwort heißt „Innovation“. Es ist kein Privileg für Großunternehmen. Im Ge-genteil: Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind mittlere und kleine Betriebe. Sie sind Treibhaus für gute Ideen. Sie entwickeln und arbeiten in Tuchfühlung mit der For-schung. Bei ihnen ist lange nach Dienstschluss ein einsames Zimmer hell. Ihre Ergebnisse bedürfen allerdings der globalen Durchsetzungskraft der Industrie.

Die Unternehmen der flexiblen Spezialisierung sind oft Innovationstreiber der Großen. Wenn solche Bündnisse – ja Symbiosen gelingen, haben sie einen Zusatzeffekt: Sie können die Struktur einer ganzen Region verbessern. Auch die des Ruhrgebiets. Wir wissen: Das hat es nötig und das ist es wert.

Meine Damen und Herren,
das sind Gründe, warum ich mich bei diesem Treffen so wohlfühle. Ich kann mir ein Geständnis erlauben: Wer genau den Weiterbildungspreis 2012 gewinnt, ist mir eigentlich nicht so wichtig. Gewonnen haben alle.

Ich danke Ihnen.

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