Hoppegarten (Berlin), 18. April 2013

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Meine Damen und Herren,

hier sitzt mir viel Sachverstand und Erfahrung gegenüber. Wirtschaftsförderung heute? Die Themen dazu sind Ihnen geläufig. Von Flächenbewirtschaftungsstrategien, interkommunalem Gewerbesteuerausgleich bis Clusteranalysen und –strategien.

Als ich die Einladungsliste las, fürchtete ich, dass es mir wie einem Verleger geht, der in China über Medien redete: … Diese Anekdote im Kopf habe ich grundsätzliche politische und strategische Aspekte gewählt. Auf die Diskussion mit Ihnen freue ich mich.

Regionen taugen heute mehr als zuvor – oder auch wieder – als Marke. Eine regionale Marke kann Emotionen wecken, hat Ausstrahlung und schafft Identifikationen nach innen und außen. Markenbildner suchen Emotionsträger. Eine Marke muss stimmig sein. Eine Regional-Marke auch. Man muss ihr Nutzen unterstellen. Sie darf sich nicht abquälen mit dem Auftrag einer Imagekorrektur. Das, was an Gutem da ist, gilt es zu verstärken und zu entwickeln. Ein Alleinstellungsmerkmal ist allemal hilfreich.

Marken, auch Regional-Marken, leben von der Vermittlung eines Vorstellungsbildes. Ein solches Bild braucht Wurzeln in der Historie und Übereinstimmung mit der Realität. Lamentieren und Jammern schadet. Im Ruhrgebiet sagt man: „Keiner liebt dich, wieso ich?“

So viel „Wandel“ war nie. Alte Gewissheiten wurden fragwürdig. Klassische Milieus zerbröseln. Lager und Blöcke verstehen ihr eigenes Etikett nicht mehr. Menschenschwärme hüpfen wie Korken auf der Oberfläche rasch wechselnder Moden und Stimmungen. Sie glauben, das sei der „Ernst des Lebens“. Statt eines Freundes hat man 500 auf Facebook. Die kann man mit Klick beginnen und beenden. Ein panischer Glücksanspruch (alles und sofort) kollidiert mit breiter Abstiegsangst. Wir erleben das „Ende der Normalität“ (Gabor Steingart). Wer das frühere Leben beschreibt, tut es als Nachruf.

Vor drei Wochen hatte ich an der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik den erfahrenen Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner von Emnid zu Gast. Der berichtete aus seiner 30jährigen Forschertätigkeit. Er habe in allen Untersuchungen die Frage mitlaufen lassen, was die Menschen von der Zukunft erwarten. 27 Jahre lang hätte cirka ein Drittel erwartet, dass alles schlechter würde. Seit drei Jahren seien es kontinuierlich mehr als 80 %. Die kluge ZEIT titelte kürzlich: „Wir haben eine schlechte Nachricht: Es geht uns gut.“ Sie wies Themenfeld für Themenfeld nach, dass die Lage besser ist, als ihr Ruf.

Der Alltag ist unübersichtlich. Seine Komplexität überfordert. Das ruft in unserem Lande die „schrecklichen Vereinfacher“ noch nicht durchschlagend auf den Plan. Ideologen und Demagogen wollen die Welt aus einem Punkte erklären. Aber Apokalyptiker haben auch schon Konjunktur. Sie verkünden mit mehr Energie die nahe Katastrophe als nötig wäre, sie zu verhindern. Parteien glauben, Polarisierung sei „in“. Die parteipolitischen Mitten entleeren sich zu den Rändern. Das Volk ist verunsichert wie schon lange nicht mehr

Wir Deutschen lieben Murphys Gesetz. Alles was schief gehen kann, wird schief gehen. Keine Flasche öffnen, es könnte ein Geist drin sein.

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