Sommertreff – Begrüßung
Bonn, 16. Juli 2013

Als PDF herunterladen Liebe Gäste,

BAPP Sommertreff. Ein akademisches Treffen der besonderen Art. Es gilt: Je weniger „akademisch“, desto besser. Kleinigkeiten sind bereitet. Das Bier steht kalt. Fühlen Sie sich wie zu Hause! – Falls Sie sich zu Hause wohlfühlen.

Ohne eine kleine Begrüßungsrede geht es nicht.

Mit Wilhelm Busch:

Das Reden tut dem Menschen gut,
wenn man es nämlich selber tut,
Die Segelflotte der Gedanken,
wie fröhlich fährt sie durch die Schranken
der aufgesperrten Mundesschleuse
bei gutem Winde auf die Reise
und steuert auf des Schalles Wellen
nach den bekannten offnen Stellen
am Kopfe, in des Ohres Hafen
der Menschen, die mitunter schlafen.

Ein Pfarrer verriet mir, dass er sich bei der Predigt auf einen bestimmten Zuhörer verlassen konnte. Wenn der nach einer gewissen Zeit auf seine Uhr blickte, wusste er, dass er zum Ende kommen musste. Wenn er dann die Uhr an sein Ohr hielt, hatte er überzogen.

Die gefühlte Dauer einer Rede kann Humor beeinflussen. Das Wort bedeutet „Feuchtigkeit“, wie die Lateiner unter Ihnen wissen. In der Antike war man der Ansicht, vom richtigen Verhältnis der Feuchtigkeiten im menschlichen Körper hinge das Wohlbefinden ab.

Faust nennt seinen bildungsbeflissenen Famulus Wagner den „trockenen Schleicher“. Damit ist alles gesagt. Ein wenig Feuchtigkeit im rechten Moment lockert die Kommunikation. Aber Vorsicht! – Mancher Diskurs ist so sinnlos, dass er schon wieder ins Schwarze trifft.

Zum Beispiel so: Ein Mann geht und lässt seinen Papagei allein zurück. Ein Handwerker läutet an der Tür. Von drinnen krächzt der Papagei wie üblich: „Wer ist das?“ „Es ist der Klempner und will das Rohr reparieren.“ Der Papagei wiederholt: „Wer ist das?“ Der Handwerker mit Nachdruck: „Es ist der Klempner und will das Rohr reparieren!!“ Der Papagei wiederum: „Wer ist das?“ Der Handwerker schreit wütend: „Es ist der Klempner und will das Rohr reparieren!!!“ und setzt sich vor die Tür.

Der Inhaber der Wohnung kehrt zurück. Er sieht den fremden Mann und fragt: „Wer ist das?“ – Darauf der Papagei von drinnen: „Es ist der Klempner und will das Rohr reparieren.“

Der Ursprung aller Wissenschaft ist menschliche Neugier. Bei richtigen Annahmen führt sie in der Regel zu korrekten Ergebnissen.

Ein Gegenbeispiel in Form einer Ballade. Sie heißt „Der Busch der Erkenntnis“ und geht so:

Der Bauer Franz am Feldrand ruht
behaglich in der Mittagsglut.
In Busches Schatten ist ihm wohl.
Hoch oben zwitschert ein Pirol.
Allmählich kommt der Franz ins Dösen
und grübelt nach der Dinge Wesen
und fühlt in sich die Frage brennen,
warum nicht Kühe fliegen können
und nur per Huf auf Erden wallen.
Da lässt der Vogel etwas fallen,
das wenig später ungeniert
exakt des Bauern Glatze ziert.
„Aha!“, denkt er, von Herzen froh.
„Aus diesem Grunde ist das so!“

Zweieinhalb Minuten sind um.

Es gibt Reden, denen man sich entziehen möchte, aber die Verhältnisse, sie sind nicht so.
Lessing schrieb einen Vierzeiler auf einen – Leichenredner:

Ziehst dein Gesicht in jämmerliche Falten,
dieweil dein Maul erbärmlich spricht.
Eh du mir sollst die Leichenrede halten,
wahrhaftig, lieber sterb ich nicht!

Ich wünsche ein heiteres Fest. Bringen wir die inneren Feuchtigkeiten ins rechte Verhältnis!

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