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Dankeschön, lieber Herr Prof. Heit,

meine Damen und Herren,

mir kommt die Aufgabe zu, den beschriebenen strukturellen Rahmen zu füllen. Für unsere Stiftung ist das – frei nach Faust – das, was unsere kleine Welt im Innersten zusammenhält:
Das publizistische Erbe des Ehepaares Brost.

Da muss man nichts hinzuerfinden. Das Gebäude steht. Es steht auf bewährtem Fundament. Wir sind mit dem Innenausbau beschäftigt.

Anneliese Brost hat wenige Tage vor ihrem Tod ein inhaltsstarkes Interview gegeben. Marie Luise Marjan hat Auszüge phantastisch vorgetragen. Dafür herzlichen Dank. Jeder Satz darin ist gebündelte Erfahrung. Es ist auch Präambel für eine Verfassung, die noch lange zu erfüllen ist. Nicht das Alte – das Neue, das an seine Stelle treten will, bedarf der Legitimation.

Für Frau Brost waren Medien – und besonders Zeitungen – kein Wirtschaftsgut, das mit Angebot und Nachfrage erschöpfend beschrieben wäre. Der Wert journalistischer Arbeit steht und fällt mit ihrer Verantwortung für das öffentliche Wohl. Dass unsere Stiftung im Geiste der Erblasserin hier wichtige Aufgaben sieht, versteht sich von selbst.

In allen Schichten der Gesellschaft gibt es unruhige Fragen. Vielleicht sollten nicht nur Zeitungen, sondern Produkte aller Art erklären, ob sie dem persönlichen und allgemeinen Wohl der Menschen dienen oder ob sie schaden. Da wächst eine Aufmerksamkeit heran, die sich auf das Vermächtnis von Anneliese Brost in einem umfassenden Sinn berufen kann.

Ein gutes Beispiel ist unser Projekt „PublicArt Ruhr“. Ich spüre fast körperlich, dass darauf der besondere Segen von Anneliese Brost ruht. Sie wollte immer das wertvoll Alte schützen und zugleich das Neue ermutigen. Sie wollte es ertüchtigen, sich demgegenüber zu behaupten.

„Das Kunst-Ding“, so schrieb Rilke einmal, „kann nichts ändern und nichts verbessern; sowie es einmal da ist, steht es den Menschen nicht anders als die Natur gegenüber, in sich erfüllt, mit sich beschäftigt, wie eine Fontäne teilnahmslos.“

Wir sind um ein Jahrhundert jünger.

  • Unser Projekt ist kein Katalog der Denkmalpflege.
  • Es ist kein Archiv, in dem nur Experten stöbern.
  • Es ist keine archäologische Zone, wo sich Außerirdische verwundert fragen, was eine vergangene Zivilisation mit diesen Objekten gemeint hat.

Das öffentliche Kunstwerk ist auf seine Weise sehr aktiv.

  • Es erfüllt unseren alltäglichen Lebensraum.
  • An ihm bricht sich der Strom der Ereignisse.
  • Es schäumt auf und belüftet sie.
  • Es widersetzt sich den Organigrammen und Bilanzen.
  • Es behauptet radikal und manchmal schmerzhaft ein Leben vor dem Tode.

Das ist nicht „teilnahmslose Fontäne“, sondern sehr aktive Teil-Habe. Wer ein Kunstwerk sich selbst überlässt, dem Unkraut und dem Rost, der gibt sich selber auf.

Ganz anders, und doch im gleichen Geist:- das Roma-Projekt in Zusammenarbeit mit der Peter-Maffay-Stiftung. Wir werden gleich genauer darüber reden. Es beschäftigt sich mit einem berührungsempfindlichen Thema.

Fragen des Zusammenlebens im Europa der 27 – und dazu gehören offene Grenzen – stellen eine Jahrhundertaufgabe dar. Bekanntlich ist es sehr leicht, Vorurteile zu bedienen.

Man kann Probleme für prinzipiell unlösbar erklären. Man kann populistisch locker Bestseller schreiben.

Eine Stiftung, die jungen Mitmenschen das genaue Hinsehen lehren möchte, ist dann besonders herausgefordert. – Dieses Projekt hat den Vorzug, sorgsam geerdet zu sein. Es wäre zu leicht: gutmenschlich über den real existierenden Problemen zu schweben und sie so nur sich selbst zu überlassen. Es zeigt Mut, gegenüber dem Mainstream schrecklicher Vereinfachung. Aber auch gegenüber der Meinung, es genüge, das Beste gewollt zu haben. Das Projekt wird Ihnen gleich detailliert vorgestellt werden.

In diesem Zusammenhang freue ich mich sehr, Herrn Roman Franz begrüßen zu können. Herr Franz ist Landesvorsitzender Nordrhein-Westfalen der Vereinigung der Sinti und Roma. Für uns ist er Ratgeber und Ansprechpartner bei dem genannten Projekt. Herzlich willkommen und herzlichen Dank.

Bei allem – das hat Prof. Heit betont – wird es uns darum gehen, Kooperationen anzustoßen. Der Geist des Reviers war – und so soll es bleiben, in der Vielfalt Gemeinsamkeit zu finden. Wir unterstützen also gern, was auf Selbsthilfe setzt und auf Zusammenarbeit.

Die Stiftung begrenzt sich geografisch auf das Ruhrgebiet: aber nicht geistig. Aus der Region  kommen wichtige Impulse. Wir hier haben Probleme früher als andere und finden deshalb auch früher Lösungswege. Wir klopfen uns nicht anerkennend selbst auf die Schulter. Wir wollen über den Zaun hinwegwirken. Das ist nicht nur strategisch nützlich. Es ist Geist und Haltung.

Wir wollen nicht einen Status konservieren, sondern unter den ersten sein, welche die Zukunft betreten. Deshalb ist auch Professor Dr. Opielka hier. Ich danke ihm schon jetzt. Er ahnt noch nicht, wie neugierig wir auf seine Ausführungen sind. Auch Prognosen erfordern Mut. „Weil wir heute noch nicht wissen, was wir morgen wissen werden“, sagte Karl Popper.

Ich tröste mich mit der Erkenntnis Karl Valentins:

„Das Beste an der Zukunft ist der Umstand, dass immer nur ein Tag auf einmal kommt.“

Ich danke herzlich und freue mich auf den Kommentar des Mannheimer Streichquartetts, das Anneliese und Erich Brost so liebten.

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