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Man reibt sich die Augen. Alt-Europäer des Westens grübeln melancholisch über die Zukunft des Jahrhundertprojekts Europa. In Kiew demonstrieren Hunderttausende den Europa-Traum. Ein Geist, den wir unachtsam verschüttet haben, lebt. Das große Integrationswerk steht auf der Agenda. Inmitten schlechter „vibrations“ wie Spardiktat, Zerfallserscheinungen, populistischen Fliehkräften und hinter Drohkulissen wie Finanz-, Schulden-, Wirtschafts- und Währungskrise taucht das Europa auf, das Gründerväter erträumt haben.

Nachkriegsgenerationen haben den Friede im Kopf. Den Wert von Freiheit und Rechtsstaat haben die mit Erfahrung östlich des „Eisernen Vorhangs“ auch im Herzen. Europa war und ist ein Kontinent der Gegensätze. Egal, was einer darüber sagt, es stimmt immer, irgendwie und irgendwo. Es gibt wachsenden Widerstand gegen die Regelungswut der Brüsseler Bürokraten. Zugleich sind die EU-Bürger mit großer Mehrheit vom Wert der Einigung überzeugt.

Niemand, der seine Sinne beisammen hat, wünscht sich zurück in das Europa der Schützengräben. Populistische Trends stiften Schaden, scheitern aber letztlich an ihrer Eindimensionalität.

Trennungslinien laufen weniger zwischen Mitgliedstaaten, sondern innerhalb nationaler Gesellschaften.

Im europäischen Familienstreit knallen Türen, aber keiner will ausziehen. Europa braucht mehr zusammenführende Argumente als das des wirtschaftlichen Nutzens. Ukrainische Demonstranten rufen die.

Aber Vorsicht! – Schon beeilen sich einige, den Wind der Ukraine auf falsche Mühlen zu leiten. Sie reiben sich theatralisch die Hände, dass Kiewer Demonstranten russischen Rückwärtsträumen die orangene Karte zeigen. Schadenfreude und hastige Einmischung erzeugten den Eindruck, der Aufstand würde instrumentalisiert. – Ein Hauch von „Kaltem Krieg“ statt Pflege des europäisch-russischen Dialogs. Wandel durch Handel, Austausch und anständiger – auch sprachlicher – Umgang sind historisches Friedenskonzept. Europa sollte erwachen und sich seiner ausgleichenden Fähigkeiten erinnern. Freiheitsrechte gelten übrigens nicht nur in Moskau und Peking, sondern auch im eigenen Haus und bei ziemlich besten Freunden.

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