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Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Gäste, manchmal kommt einem Heinrich Heine in den Sinn:

„Denk ich ans Ruhrgebiet bei Nacht,

so bin ich um den Schlaf gebracht.“

Heute werde ich Sie nicht mit Energie- und Strukturfragen plagen, Ewigkeitskosten oder Kirchturmpolitik mancher Bürgermeister.

Lieber erzähle ich von einem französischen Ehepaar. Beide wünschten sich sehnlichst ein Kind. Sie hatten alles, was man dazu braucht: Rohstoff und Energie, die richtige verkehrsmäßige Anbindung und Verfahrenstechnik; die erotische Logistik war auf der Höhe der Zeit. Es fehlte nicht am Willen zum Erfolg. Der zweisame „Initiativkreis“ bewirkte Gutes. Aber der entscheidende Durchbruch stand aus.

Endlich klappte es. Ein Knabe! Die Eltern waren selig. Sie suchten nach einem Namen. Der sollte ihr unendliches Glück zum Ausdruck bringen. Sie nannten das Kind „Formidable“, also „großartig, erstaunlich, wunderbar“.

Leider blieb der kleine Formidable ein schwacher und ängstlicher Winzling. – Trotz bester Fütterung und Pflege. Klar, dass er verspottet wurde, wo immer man seinen Namen kannte: in der Schule, im Verein, im Betrieb.

Dauernd war der Vergleich zwischen Namen und Realität Grund ironischer Anzüglichkeiten. Er litt darunter, sein Leben lang. Er bat seine Frau, wenigstens auf seinem Grabstein den verfluchten Namen wegzulassen. Sie versprach es.

Eines traurigen Tages ließ sie einen kurzen Satz auf den Stein meißeln: „Er war mir immer treu“. Leute, die vorüber gingen und die Inschrift lasen, riefen mit Erstaunen und Bewunderung: „Oh, c’est formidable!“

Wir haben uns nie aufgeblasen. Wir haben viel erreicht. Dafür bin ich dankbar. Vor allem meinem Mitstreiter Erich Staake. Er ist einer – ich habe das oft erzählt –, der auf einer geräumten Industriebrache die Vision des modernen Duisburger Hafens verteidigte und gegen alle Zweifler Recht behielt.

Ich danke den Mitarbeitern der Geschäftsstelle, voran Jan-Peter Nissen, der entscheidend geholfen hat, die Finanzen und die heute so wichtigen rechtlichen Grundlagen zu ordnen.

Ich danke allen Aktiven im Geschäftsführenden Arbeitskreis und allen Mitgliedern des Initiativkreises. Ihr Einsatz ermuntert das Revier immer wieder, an seine gute alte Zukunft zu glauben. Wir suchen unsere Zukunft nicht in der Vergangenheit.

Wer sich im Initiativkreis mit Verstand und Geld engagiert, erfüllt keine saure Pflicht. Er nimmt Teil an einer der spannendsten Aufgaben unserer Zeit! Die Runderneuerung einer ganzen Region zum Wohl des Landes und der Nation.

Wir danken den Leuten, die hier leben. Sie lieben ihre Region, ihre Heimat auf stille und herbe Weise. Es sind nur Außenstehende, die über uns die Hände zusammenschlagen. Schlimmer noch: Mitleidiges verbreiten.

Wir haben hier vielleicht größere Probleme als andere. Aber wir sind auf merkwürdige Weise stolz darauf. Im Vorgriff sozusagen, denn wir wissen genau: Wer früher Probleme hat, hat auch früher Lösungen. So kann er für die Welt sehr nützlich sein.

Problemlösungen für ein besseres Leben in unserer Heimat sind auch Exportchancen. Die vielen Besucherdelegationen in unserer InnovationCity sprechen dafür.

Der Gedanke ans Ruhrgebiet braucht uns nicht andauernd um den Schlaf zu bringen. Hier waren immer offene Grenzen: zwischen Industrieflächen und Landwirtschaft, zwischen Untertage und Übertage, zwischen Eingeborenen und Zugewanderten, zwischen Industrie und Kultur, zwischen Produktion und Forschung,  zwischen Gestern und Morgen.

Ich weiß: Die eine „Stimme des Reviers“ hat sich in der Politik nicht herausgebildet. Regierungspräsidenten sind nun mal Solisten, keine geborenen Chorsänger. Der Initiativkreis hat nicht die Absicht, „Tenöre“ fürs Rampenlicht aufzustellen. Im „Großen Haus“ Ruhrgebiet gibt es viele Aufgaben: Mal als Souffleur, mal als Dramaturg und auch mal als Kulissenschieber.

Toll am Initiativkreis ist auch: An der Kasse holen sich die Zuschauer Geld, anstatt es abzugeben.

Wir freuen uns, dass unsere Projekte bei den neuen Moderatoren Dr. Klaus Engel und Reinhold Schulte in allerbesten Händen liegen. In so guten und bewährten Händen, dass man ihnen ein gutes „Händchen“ gar nicht erst wünschen muss.

Verehrte Gäste,

wir sind hier in einer „Jahrhunderthalle“. Das nehme ich als Zeichen: Als Churchill 80 wurde, interviewte ihn ein Reporter. Der bedankte sich und sagte: „Ich hoffe, dass ich Sie auch noch zum Hundertsten interviewen kann.“ Churchill musterte ihn von oben bis unten: „Warum nicht, junger Mann. Wie es aussieht, sind Sie doch noch jung und gesund.“

Der Initiativkreis Ruhr begeht seinen 25. Geburtstag. Ich wünsche allen jungen Reportern, dass sie auch bei seinem 50sten noch agil und gesund sind. Der Initiativkreis wird es dann sicher noch sein.

Doch zunächst wünsche ich uns allen heute ein schönes Fest.

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