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In Europa flackern die Lichter. Alarmlampen überwiegen. Leuchttürme sind selten. Da wählen die Serben mit großer Mehrheit einen Mann, der konsequent die Korruption bekämpft, kriminellen Oligarchen die Stirn bietet und seinem Land den Weg nach Europa öffnet.

Ach, tut das wohl!

Inmitten apokalyptischer Nachrichten stellt sich Serbien dem Abwärtstrend entgegen. Ausgerechnet das unruhige Balkanland verhagelt den Melancholikern die routinierte Depression. Das Kind schien in den Brunnen gefallen, jetzt klettert es mutig und munter heraus.

Wer es noch spannender will: Wahlsieger Aleksander Vucic war in jugendlichen „wild days“ nicht nur der übliche Euroskeptiker. Als Mediensprecher von Slobodan Milosevic vertrat er den schäumenden Europahasser eloquent. In den heißen Zeiten des Balkankonflikts drohte er jedem, der es wagen würde, serbisches Territorium und die Ehre seiner Bewohner zu schmälern.

Nun spricht alles dafür, dass aus dem Saulus ein Paulus wurde. Er wird sein Land aus der Isolation ins Offene und zum Erfolg führen – starker Tobak für alle, die ihn längst im Zoo ihrer Vorurteile das Schild umhängten „Bitte, nicht füttern!“

In Politik und Geschichte ist es eine nicht seltene Erfahrung: Nicht die Akteure bringen es weit, die schon immer brav dasselbe taten, sondern diejenigen, die auch die andere Seite kennen, vielleicht sogar aus eigenen Irrtümern und Fehlern. Paul Claudel brachte diese geheimnisvolle Dialektik auf den Satz: Gott schreibt gerade – auch auf krummen Zeilen.

Klar, dass ihm eine demokratisch errungene komfortable Mehrheit die Sache enorm erleichtert. O-Ton Vucic: „Jetzt hängen wir nicht länger von Arithmetik und Verhandlungen ab, sondern von seriösen Plänen und Programmen – und wir werden alle guten Ideen aufgreifen, ganz gleich, ob sie von unserer oder einer anderen Partei kommen.“

Wenn er Wort hält, sind ihm auch diejenigen wichtig, die ihn nicht gewählt haben. Er will sie auf seinen Reformweg mitnehmen und auf ihre Talente nicht verzichten. „Versöhnen statt spalten“.

Ich wüsste manch alteingesessenen Demokraten in good old Europe, für den das ein Lehrstück wäre.

Der Lichtblick aus Belgrad ist auch ein Signal an die Wirtschaft.

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