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Verehrter Herr Dr. Mehdorn, meine Damen und Herren,

es hat sich eingespielt, Veranstaltungen wie diese mit ein paar Beobachtungen zum Thema zu beginnen.

Das bietet schweifenden Gedanken erste Koordinaten, die man aber herzlich gern durchbrechen sollte. Vom Beginn wird klar, dass es nicht um Verkündigung gesicherter Wahrheiten geht. Es geht um die Suche nach geeigneten Wegen.

Und schließlich kann ich Sie und Herrn Dr. Mehdorn herzlich willkommen heißen, ebenso wie Herrn Lutz Lienenkämper, Mitglied des Landtags und parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion NRW, Herrn Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg, Herrn Christian Ahrendt, Vizepräsident des Bundesrechnungshofs, Herrn Prof. Dr. Michael Junker, Kuratoriumsmitglied der BAPP und Managing Director der Accenture Deutschland GmbH, sowie Herrn Wolfgang Reuter, Ressortleiter Unternehmen vom Handelsblatt.

In der BAPP beschäftigt uns eine zentrale Frage: „Wo geht’s lang?“

Sie stellt sich aus unterschiedlichen Anlässen. Sie ist „Bruchstück einer großen Konfession“, wie Meister Goethe einmal sein Gesamtwerk nannte.

Wo ist Bewegung? Wer oder was steht dahinter? Was treibt an? Was behindert? Was davon hat Gewicht und Bedeutung? Für den Einzelnen und die Gesellschaft? Heute und morgen? Auch: Wo liegen Chancen und wo Gefahren?

Damit wir im Elfenbeinturm nicht nur uns selbst begegnen, laden wir uns Leute zu Gast, die viel Erfahrung haben, viel wissen und wichtiges zu sagen haben. Noch einmal herzlich willkommen Dr. Mehdorn.

Wir haben eine unbescheidene Hoffnung: Wir wollen in zwei Stunden klüger sein als jetzt.

Zur Sache kann Herr Dr. Mehdorn unendlich viel beitragen. Im Raum seines Alltags drängen sich Theorie und Praxis enger als anderswo. Am Beispiel des Berliner Flughafens sind Strukturfragen greifbar, wie sie uns auch bei anderen Großprojekten begegnen.

  • Scheitern die großen Entwürfe an der Kleinteiligkeit der bürokratischen Regelwerke?
  • Ist die Politik im Dauerlauf der Wahltermine noch fähig, über Legislaturperioden hinauszudenken?
  • Gibt es im System gefährliche Regelkreise, in denen sich harmlose Friktionen zu dramatischen Konflikten aufschaukeln?

Ein schädlicher Regelkreis könnte sein:  Man rechnet zu Anfang die Preise niedrig, um den Widerstand flach zu halten. Eine Rechnung ohne den Wirt. Mit Nachbesserungen, explodierenden Kosten, mit verschobenen Terminen sinkt das Vertrauen in die Kompetenz der Verantwortlichen.

Nicht alles, was machbar ist, ist auch wünschbar. Das war in den 80er Jahren ein Programmsatz. Er führte politische Lager zusammen.

Man sang zwar: „Mit uns zieht die neue Zeit“, aber: Mit diesem Programmsatz wollte man vor allem das Machbare kritisieren. Einige erklärten es schließlich zum Gegenteil des Wünschbaren. Die Folge ist verbreitetes posenhaftes „Nein“ zum technischen Fortschritt.
Ein „Ja“ zum Bewahren.

Mir scheint es an der Zeit, anders zu formulieren. Etwa so: „Wir arbeiten hart daran, dass das Wünschbare machbar wird.“ – Nicht, um unsere Kräfte ins Vermessene anzustrengen, wie Hans Georg Gadamer es formulierte. – Natürlich mit der pragmatischen Erkenntnis, dass mancher Wunsch unerfüllbar bleibt, aber in der Hoffnung, es irgendwann zu schaffen.

Der kleine Unterschied hätte eine Wirkung. Er ändert nichts an den Sachen. Er verschiebt die Perspektive.

Die meisten Probleme entstehen im Kopf. Dort sind sie auch lösbar.

Inzwischen haben wir gelernt: Jeder kann vom Meinungsgegner lernen. Wenn er diesem gelegentlich zutraut, auch einmal eine gute Idee zu haben oder ihm wenigstens zugesteht, Gutes zu wollen. So könnten sich Prozesse enorm verkürzen und Blockaden abbauen. – Mancher Prozess ist entbehrlich.

Konrad Lorenz erzählte von seinem Lehrer. Der beschloss jede Vorlesung mit dem Goethezitat: „Und so wollen wir denn das Erforschliche erforschen und das Unerforschliche ruhig verehren.“ – Jedes Mal korrigierte er: „Ruhig nicht, meine Damen und Herren, ruhig nicht!“

Lieber Herr Dr. Mehdorn,

„Wo geht’s lang?“ – Wir sind unruhig gespannt auf Ihre Sicht der Dinge.

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