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Die Globalisten schüttelten den Kopf und rieben sich die Augen. Aus der Nebelwelt Schottlands stieg ein Gespenst und hauchte Raureif auf ihre Blütenträume. Sind nicht supranationale Strukturen das Gebot des Jahrhunderts? Und nun dies: Fast die Hälfte aller Schotten wollte los von London. Sie wollten zu sich selbst, nicht mit einem „No“, sondern einem „Yes“.

Hier saßen keine soziopathischen Clans an den Lagerfeuern ihrer Sagenwelt, um sich von der Moderne abzuschotten. Die Ja-Sager in Edinburgh, Glasgow und anderswo fühlten sich als Europäer und wollten es bleiben, auch und gerade dann, wenn sich demnächst die anti-europäischen Ressentiments im britischen Parlament durchsetzen sollten. 45 Prozent der Schotten wollten offenbar ihr Verhältnis zu Staat und Politik auf neue Art definieren.

Eine neue, kluge Ausdeutung der alten Subsidiaritätsidee will drängend auf die Tagesordnung. Eine neue Arbeitsteilung der politischen Ebenen, rational und effektiv, die den Mitgestaltungswillen und das Bedürfnis nach Identität berücksichtigt, ist überfällig.

Globale Strukturen
übersteigen das menschliche Maß, wenn sie rücksichtslos in den Alltag der Leute eingreifen. Deren Wohngefühl speist sich nur geringfügig aus der Internationalität, mehr schon aus der Nationalität, vor allem aber aus der Regionalität ihrer Verhältnisse.

In der Region sind sie aufgewachsen und daheim. Hier bewegen sie sich zwischen Arbeitsplatz, Wohnung und Naherholung. Hier kennen sie die Sprache und Kochrezepte. Die Pflege der Landschaft, der Tradition, der historischen Bausubstanz besorgen die unmittelbaren Einwohner. Das bietet Vertrautheit und Verlässlichkeit in einer zunehmend komplexen Welt.

Gleichzeitig
erleben sie europäische Übergriffigkeiten bis in Detail, und dass ihre eigentlichen Sorgen von den fernen Machtzentralen ignoriert oder vernachlässigt werden. Parteiengezänk, mystische Entscheidungswege und starre Bürokratie lassen kein Vertrauen aufkommen. Natürlich stehen ihre Fabriken im globalen Wettbewerb, natürlich sind sie mediale Weltbürger. Sie wollen sogar – wie Umfragen zeigen – mit großer Mehrheit eine europäische Verteidigungspolitik, sogar eine gemeinsame Armee. Sie wollen nicht gegeneinander rüsten, aber gemeinsam wehrhaft sein. Aber sie wollen nicht den Taumelflug durch die Weite, sondern zumindest ein Standbein auf festem Untergrund. Das sind vielleicht Befindlichkeiten, aber Gefühle haben immer Recht, – schwer nachvollziehbar für Technokraten und Kosmopoliten, die auf Landkarten und Bilanzen starren und sich aus der Wirklichkeit der Leute mit „potemkinschen“ Powerpoint-Folien wegstehlen.

Ein „Europa der Regionen“
ist kein neuer Gedanke, er wurde nur im Globalisierungsrausch verdrängt und durch abstruse Konstrukte in Europa „klein-verwaltet“. Es gibt Probleme, die durch übergriffige Superbehörden größer werden, während man sie vor Ort akzeptabel in den Griff bekäme. Die Weisheit liegt darin, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Zwei Prinzipien sind längst erfunden und müssen nur neu angewendet werden: Föderalismus und Subsidiarität. Das erste sortiert die vernünftigen und logischen Zuständigkeiten. Das zweite ermutigt die Eigeninitiative auf der Basis regionaler Kenntnisse und Betroffenheit.

Vernünftige Föderalisten wollen nicht in die Vergangenheit, sondern zurück in die Zukunft. Was sie sinnvollerweise an Souveränität an die Zentralen abgegeben haben, wollen sie – ebenso sinnvoll – auf der regionalen Ebene kompensieren. Wer feste Wurzeln hat, besteht auch im globalen Wind.

Wenn dieser einfache Grundsatz in Brüssel, London oder Madrid (eigentlich überall!) vergessen wird, wachsen die Fliehkräfte. Niemand sollte auf Gewöhnung hoffen. Die wäre trügerisch.

Kein Referendum fällt vom Himmel.
Jedes hat eine lange Vorgeschichte. Eine politische Kaste, die sich im fensterlosen Großcontainer behaglich eingerichtet hat und es für unter ihrer Würde erachtet, dem Wachstum der Graswurzeln vor Ort zu lauschen, darf sich nicht wundern, wenn sie am Stichtag aus allen Wolken fällt. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss mehr anbieten als Vertrauen.

Ein Pfarrer wollte sich nicht damit abfinden, dass ein Mitglied seiner Gemeinde aus der Kirche ausgetreten war. Also schrieb er ihm ein Briefchen nach, wie schön es doch sei, an den Himmel zu glauben. Er bekam die Antwort: „Ach, Herr Pfarrer, Sie ahnen nicht, wie schön es ist, nicht mehr an die Hölle zu glauben.“

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